"Glaub ma ja!"

 

 

 

 

Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will den Durstigen geben von
der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

„Wat nix kostet, dat kann auch nix sein!“ Ein geflügeltes Wort. Es drückt aus: Was es umsonst gibt, das kann auch nicht viel wert sein. Wofür wir nichts investieren müssen, damit kann auch es nicht viel auf sich haben.
Und dann auch noch Wasser. Wenn uns hier Champagner angeboten würde oder ein leckerer Rotwein oder wenigstens ein kühles Pils… aber Wasser… Alltäglicher geht’s doch nicht. Unspektakulärer hat kaum einer je für sich geworben.
Die Jahreslosung kommt auf den ersten Blick daher wie der gute alte ärztliche Rat, der uns immer ein bisschen auf den Geist geht: „Trinken Sie ausreichend! Und am besten Wasser!“

Ich werfe einen zweiten Blick auf den Satz. „Den Durstigen geben… von der Quelle“. Und frage mich – und Sie: Sind wir eigentlich noch durstig? Dürstet es uns noch – und nicht nur nach einem Getränk, sondern… nach Leben? … nach Liebe? … nach Sinn? Wonach – und jetzt rede ich nicht über ein Schnitzel mit Pommes – hungert es uns und wonach – und jetzt denke ich nicht an eine eisgekühlte Cola – dürstet es uns?

Gott verteilt nicht beliebig und nicht mit der Gießkanne vom lebendigen Wasser, sondern er verheißt es den Durstigen. Er verheißt es denen, die noch nicht satt und träge und abgebrüht sind. Er verheißt es denen, die sich nicht daran gewöhnen wollen, dass Menschen verdursten in vielen Regionen dieser Welt oder ertrinken auf ihrer gefährlichen Fahrt übers Wasser. Er gibt es denen, die tatendurstig der Liebe Gottes in dieser Welt eine Chance einräumen. Er gibt es denen, die ausharren bei jenen, die taumeln auf den Durststrecken des Lebens. Lebendiges Wasser ist Lebensmittel für die Seele, Erfrischung für den Geist, Stärkung für die Herzen.

Als Läufer kommt mir unser Leben wie ein langer Lauf vor. Ein langer Lauf zu mir selbst. Ein langer Lauf zu Gott. Auch wenn Andere an unserer Seite sind: Laufen müssen wir alleine. Den Weg nimmt uns keiner ab und das Ziel ist weit. Aber Gott ist wie einer der vielen Freiwilligen an den Verpflegungsstationen: Er erwartet uns, wenn wir angelaufen kommen. Schaut uns freundlich an. Ruft uns ein aufmunterndes Wort zu. Und reicht uns einen Becher Wasser umsonst. Köstlich.   


Martin Treichel, Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen